Richard Sapper

Die Leuchte Tizio für Artemide, eine Innovation: Ein im Fuß installierter Trafo, der die Spannung von 230 Volt auf 12 Volt umwandelt, versorgt eine Halogenlampe, und dient somit auch als Stromleiter, Kabel werden damit überflüssig. Die Tizio ist immer noch eine der meistverkauften Leuchten. Sapper hat noch mehr Designklassiker geschaffen, darunter 1979 die Sapper-Bürostühle, 1976 eine Stoppuhrenserie für Heuer und 1984 den Klappstuhl Nena für B&B Italia. 1978 beauftragte Alessi Sapper mit dem ersten von vielen weiteren Produkten, dem Espressokocher 9090. Darauf folgten unter anderem 1984 der zweistimmige Wasserkessel Bollitore, 1990 die Teekanne Bandung, 1997 der Espressokocher Coban, 2006 die Käsereibe Todo und 1986 sowie 2009 die Kochtopfserie Cintura di orione, die in Zusammenarbeit mit bekannten Köchen wie Roger Verge, Pierre und Michel Troisgros sowie Alain Chapel entstand. 1980 wurde Sapper bei IBM verantwortlicher Berater für das weltweite Produktdesign. Er begann mit dem Entwerfen zahlreicher tragbarer Computer, darunter des ersten ThinkPad 700C (1992). Hier brach er mit der Tradition des Unternehmens, das bisher perlgraue Maschinen auf den Markt gebracht hatte. Der neue Computer war eine schlichte, elegante schwarze, echteckige Box. Außerdem barg er eine Überraschung: einen kleinen roten Knopf in der Tastatur, mit dem der Cursor gesteuert werden konnte. Sapper ist als Designberater von Lenovo auch heute noch für die Kultmarke ThinkPad zuständig, nachdem die IBM-PC-Abteilung im Mai übernommen worden war. Sapper lag seit jeher das Thema Verkehr am Herzen. Er arbeitete mit Fiat an experimentellen Autos zusammen, vor allem an pneumatischen Stoßdämpfersystemen. Mit Pirelli arbeitete er an der Entwicklung von pneumatischen Strukturen zusammen. 1972 gründete er mit der Architektin Gae Aulenti eine Studiengruppe für die Entwicklung neuer städtischer Nahverkehrsysteme. Dieses Thema verfolgte er anlässlich einer Ausstellung auf der XVI. Mailänder Triennale 1979 weiter. Er entwarf unter anderem für Fiat einen Bus, in dem die Fahrgäste ihre Fahrräder in einem Ständer unterbringen konnten. Seine Forschungsarbeiten gipfelten im Entwurf für das Zoom-Bike (das nicht mehr produziert wird), ein federleichtes Klapprad, das mit Luftfahrttechnik entwickelt wurde, damit es die nötige Stärke und Beschleunigung hatte. Es ist so rasch und leicht zusammenzuklappen wie ein Regenschirm und passt leicht in einen Kofferraum. Zu Sappers Kunden zählen Alessi, Artemide, B&B Italia, Castelli, Heuer, IBM, Kartell, Knoll International, Lenovo, Lorenz, Magis, Molteni Unifor, Pirelli. Sapper lehrte an der Yale University, der Kunstakademie Stuttgart, der Universität Peking, am Royal College of Art in London, an der Domus-Akademie in Mailand, an der Universität Buenos Aires und an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Sapper ist Honorary Fellow of the Royal Society of Arts in England und Mitglied der Akademie der Künste in Deutschland. Der deutsche Rat für Formgebung zeichnete Sapper 2009 für sein Lebenswerk aus. 2010 verlieh ihm die University of North Carolina die Ehrendoktorwürde.